Geschichte, Kultur, Bevölkerung

Nach dem Heiligen Christopherus taufte Christoph Kolumbus die Insel 1493 bei seiner zweiten Karibikreise; das benachbarte Nevis zeigte sich wolkenverhangen um den Gipfel des Nevis Peak, so wurde das Eiland „Schnee" genannt. Beide Inseln blieben aber unbehelligt von den spanischen Kolonialherren, die dort lebenden Kariben wurden bis 1623 von europäischen Siedlern verschont.

Dann aber drängten Engländer und Franzosen in die Region und machten sich die vielen kleinen Inseln untertan, zunächst waren die Briten auf St Kitts und auf Nevis erfolgreich. Die Hauptstadt Basseterre auf St Kitts verdankt ihren Namen allerdings den französischen Siedlern, die bis 1690 zum Teil gemeinsam mit den Engländern, zum Teil allein die Inseln beherrschten. Im Wechselspiel der Kräfte wechselten sich auch die Einflüsse der beiden Nationen ab, aber im Vertrag von Versailles 1783 wurde die Zuständigkeit von Großbritannien geregelt. Kurze Zeit später kam Admiral Nelson von Antigua nach Nevis, er heiratete dort 1787 seine erste Frau Fanny Nisbet, die Dokumente sind heute noch in der St John Fig Tree Church zu sehen.

Neben der militärischen Bedeutung für die Engländer, die nach der Rückeroberung 1690 die größte Festung der Kleinen Antillen auf dem Brimstone Hill errichteten, waren die Inseln auch als Zuckerrohr-Produzenten höchst ertragreich. Westafrikanische Sklaven verrichteten die Arbeit auf den Plantagen, nach der Abschaffung des Menschenhandels 1834 in allen englischen Besitzungen wurden indische Kontraktarbeiter angeworben.

Gemeinsam mit Anguilla, Antigua & Barbuda und Montserrat bildete St Kitts & Nevis ab 1871 die britische Leeward Islands Federation und ab 1958 die West Indies Federation. 1981 trennten sich die Wege, Antigua & Barbuda wurde zuerst in die Unabhängigkeit entlassen, 1983 folgte St Kitts & Nevis.
 
Der Tourismus, der die Zuckerindustrie bereits in den 1970er Jahren als Haupteinnahmequelle abgelöst hatte, hat als wirtschaftlicher Faktor eine wichtige Bedeutung. Der Zuckeranbau wurde 2005 endgültig eingestellt, nachdem schon lange nicht mehr rentabel produziert werden konnte. Die Regierung versucht seitdem, die Wirtschaft zu diversifizieren (Finanzdienstleistungen, andere Bereiche der Landwirtschaft) und auch den Tourismussektor noch weiter auszubauen. Strukturell leidet St Kitts & Nevis unter seinem kleinen, einer Industrialisierung kaum zugänglichen Binnenmarkt, hoher Verletzlichkeit gegenüber Naturkatastrophen und einer wenig diversifizierten Industrie. Im Oktober 2008 verursachte Hurrikan "Omar" schwere Schäden, u.a. an der touristischen Infrastruktur. Inzwischen sind sie weitgehend beseitigt.
 
Die meisten der ehemaligen Sklaven sind auf den Inseln geblieben, ihre Nachfahren bilden heute mit ca. 84 % die Bevölkerungsmehrheit.