Geschichte, Kultur, Bevölkerung

Das genaue Entdeckungsdatum St Lucias ist bis heute unbekannt – es ist immer noch umstritten, ob Christoph Kolumbus die Insel tatsächlich am 13. Dezember 1502, dem Tag der Heiligen Lucia, sichtete. Bewohnt wurde sie damals von Kariben, die sich immer wieder erfolgreich gegen eine Kolonisierung zur Wehr setzten.  

Erste Besiedlungsversuche gab es dann im 17. Jhdt. durch die Franzosen und die Briten – im Laufe der Geschichte wechselte die Insel 14-mal den Besitzer. Erst Anfang des 19. Jhdt. wurde St Lucia im Rahmen des Pariser Friedens als britische Kronkolonie anerkannt, 1838 dann in die Kolonie der „Inseln über dem Winde", die Windward Islands, eingegliedert. 1951 gewährte die britische Regierung das allgemeine Wahlrecht. London entließ St Lucia nun schrittweise in die Unabhängigkeit: Der bereits 1960 gewährten eingeschränkten Autonomie folgte 1967 die unumschränkte Selbstbestimmung in inneren Angelegenheiten. Am 22. Februar 1979 wurde St Lucia unabhängig von Großbritannien, verblieb jedoch weiter im Commonwealth und erkennt weiterhin Königin Elizabeth II. als Staatsoberhaupt an. Sie wird durch die einheimische Generalgouverneurin Pearlette Louisy vertreten.
 
Bis in die 1960er Jahre war die Insel ein bedeutender Zuckerproduzent, zur Arbeit wurden westafrikanische Sklaven eingesetzt. Inzwischen sind Bananen das wichtigste Exportgut, zudem spielen Kokosnüsse, Kakao, Zitrusfrüchte und Muskat eine wichtige Rolle in der landwirtschaftlichen Produktion.
 
Kulturelles Aushängeschild St Lucias ist der Literaturnobelpreisträger von 1991, Derek Walcott. In seinen Gedichten und Dramen setzte er sich ebenso wie in seiner Autobiographie mit der Identitätsfindung der Einwohner der Karibik auseinander. Musik spielt wie überall in der Region auch auf St Lucia eine große Rolle. Reggae und Calypso zeugen hier vom britischen Einfluss, Zouk und Cadance sind in der französisch geprägten Karibik zu Hause.
 
Rund 166.500 Menschen leben auf St Lucia. Die Hauptstadt Castries ist mit 64.500 Einwohnern das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum des Inselstaates. Die Nachfahren der schwarzafrikanischen Sklaven haben einen Bevölkerungsanteil von knapp 90 %. Etwa 6 % sind Mulatten (Mischlinge aus Schwarzen und Europäern), eine weitere Minderheit sind die Nachfahren indischer Vertragsarbeiter, die nach der Abschaffung der Sklaverei auf die Insel kamen. Knapp 1 % sind Weiße meist britischer Herkunft.
Beide Kolonialmächte – Engländer wie Franzosen – haben tiefe Spuren in Kultur, Küche und Gesellschaft hinterlassen. Neben der Amtssprache Englisch dominiert das Patois, ein kreolisches Französisch.
Auf St Lucia ist der größte Teil der Bevölkerung katholisch – die Kirchen sind fast immer voll, man kleidet sich schick und singt viel und laut. Auch die christlichen Feiertage werden groß und gerne gefeiert – man trifft sich im Familien- und Freundeskreis, isst gut und verbringt einen schönen Tag, gerne auch am Strand, miteinander.