Geschichte, Kultur, Bevölkerung

Nach der Entdeckung und Namensgebung durch Christoph Kolumbus 1493 soll die Insel über Jahre nur französischen Piraten als Standort gedient haben. Die spanischen Besitzer brachten kurzzeitig ihre Gefangenen dort unter, betrachteten die Insel aber strategisch als wertlos. Französische und holländische Siedler beanspruchten 1648 Sint Maarten jeweils für ihre Nation, konnten sich dann aber auf eine Teilung der Insel einigen. Zwar wechselten die Besitzer bis 1816 dann doch noch mehrfach, auch die Engländer waren wenige Jahre Kolonialherren, aber seitdem ist die friedliche Koexistenz Realität. Beide Nationen gaben ihrer Provinz in der Karibik Steuerfreiheit, in dem sie die Insel zum Freihafen erklärten, dieser Status ist nach wie vor aktuell.

Über die Grenzziehung kursiert eine bizarre Geschichte. Französische und holländische Siedler konnten sich diplomatisch nicht einigen und vereinbarten einen Wettlauf. Vom Boundary Point südlich von Marigot aus starteten Läufer in entgegengesetzter Richtung zur Inselumrundung. An der Stelle ihres Treffens sollte die künftige Grenze gezogen werden. Der Franzose war eindeutig schneller, Saint Martin ist etwas größer. Vielleicht spielte auch eine Rolle, dass sein Proviant Rotwein enthielt, der Holländer hatte hochprozentigen Genever dabei.
 
Der französische Inselteil bildete zusammen mit St. Barthélemy seit 1963 einen Verwaltungsbezirk innerhalb des Übersee-Départements Guadeloupe. Seit 2007 ist Saint Martin von Guadeloupe getrennt und ist ein autonomer Teil von Frankreich und der EU.
 
Sint Maarten gehörte bis Oktober 2010 zu den Niederländischen Antillen und wurde von Curacao aus verwaltet. Der Landesverband hat sich aufgelöst und nun ist der Inselteil ein eigenständiges Bundesland innerhalb des Königreichs der Niederlande und die Bevölkerung ist niederländisch.
 
Die Landwirtschaft mit Zuckerrohr, Indigo, Kaffee und Tabak hat Jahrhunderte lang die Insel geprägt; auch hierher wurden westafrikanische Sklaven zur Arbeit gebracht. Nach der Beendigung des Menschenhandels blieben viele, ebenso die französischen und holländischen Siedler. Dank des sich sehr erfolgreich entwickelnden Tourismus seit den 1980er Jahren erfreut sich die Doppelinsel regen Zuzugs aus anderen karibischen Staaten sowie aus Europa und den USA.
 
Die Grenze spielt übrigens keine Rolle, Kontrollen finden so gut wie nie statt.