Geschichte, Kultur, Bevölkerung

Die wechselvolle Geschichte der von Kariben bewohnten Insel Grenada begann 1498, damals fuhr Christoph Kolumbus an ihr vorbei, gab ihr in den Karten aber den Namen Concepcion. Offenbar wehrten sich die Bewohner erfolgreich gegen jede Kolonisierung, erst 1609 wagten Londoner Kaufleute eine Besiedlung.

Schließlich gelang es den Franzosen ab 1650, in der Nähe des heutigen St. George's Fuß zu fassen und die Insel offiziell dem Besitz der Krone zuzuführen. Die Kämpfe zwischen Kolonialherren und Einheimischen arteten dann in der Vernichtung der Kariben aus, die letzten Ureinwohner stürzten sich bei Sateurs (Carib's Leap) von den steilen Klippen ins Meer.
Im Laufe des 18. Jhdt. war die Insel zwischen Engländern und Franzosen heiß umkämpft, dem Hin und Her wurde durch den Versailler Vertrag ein Ende bereitet, die Insel 1783 den Briten zugesprochen. Dennoch lebt das französische Erbe auf Grenada fort: Viele Plätze und Gebäude tragen noch heute französische Namen. Für den Aufbau von Zuckerrohrplantagen brachten die englischen Kolonialherren eine große Anzahl afrikanischer Sklaven auf die Insel, auch hier endete die Sklaverei erst 1834. Im Jahr 1877 wurde Grenada britische Kronkolonie, 90 Jahre später ein Großbritannien assoziierter Staat und erhielt 1974 die völlige Unabhängigkeit.
 
Die gewählte Regierung war 1979 durch eine Revolution unter Maurice Bishop gestürzt worden. Interne Auseinandersetzungen in dessen Bewegungen (Revolutionäre Volksarme und Volksmiliz) führten 1983 zu seiner Absetzung und Ermordung. Nach einer Intervention von US- und regionalen Truppen im Jahr 1983 kehrte das Land ein Jahr danach zur Demokratie zurück.
 
Die von den Hurrikans Ivan im September 2004 und Emily 2005 verursachten Zerstörungen hatten die wirtschaftlichen Grundlagen (Tourismus und Landwirtschaft) stark in Mitleidenschaft gezogen, ein Großteil der Gebäude in der Hauptstadt St. George's wurde dem Erdboden gleich gemacht. Inzwischen hat sich die Insel weitgehend von den Schäden erholt. Ebenso der Tourismussektor, der nicht zuletzt mit Hilfe ausländischer Direktinvestitionen wieder aufgebaut wurde. Der Tourismus, der in den letzten Jahren gute Wachstumsraten verzeichnete, ist die wichtigste Einnahmequelle des Landes.
 
Hauptexportprodukt war lange Zeit die Muskatnuss; als Symbol der Landwirtschaft Grenadas ist sie sogar auf der Nationalflagge dargestellt; 25% des Weltverbrauchs an Muskatnüssen stammte bis 2004 von der Insel, die damit (nach Indonesien) der zweitgrößte Produzent von Muskatnüssen weltweit war. Hurrikan Ivan zerstörte den größten Teil der Bäume. Nur langsam kommt der Anbau wieder in Schwung, Ende 2010 lag der Ertrag bei 500 Tonnen (Quelle FTD 28.12.10). Neben den Gewürzen sind Kakao, Bananen und Zucker weitere wichtige Exportgüter.
 
Der erhebliche Rückgang an Überweisungen der vielen Auslands-Grenader an ihre Familien bleibt nicht ohne Auswirkungen. Die Wirtschaftsleistung Grenadas schrumpfte 2009 dementsprechend um 5,0%. Die Arbeitslosigkeit stieg auf knapp 30%, etwa 38% der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze. Die meisten Einwohner von Grenada stammen von den ehemaligen Sklaven ab, einige haben Vorfahren aus Indien,  die im 19. Jhdt. als Kontraktarbeiter aus der britischen Kolonie nach Grenada gebracht worden sind. Daneben gibt es noch eine kleine Minderheit europäischer Herkunft, hauptsächlich französischer, englischer und schottischer Abstammung (letztere vorwiegend auf Carriacou).