Geschichte, Kultur, Bevölkerung

Eine der wenigen Inseln, die ihr Bekanntwerden in der europäischen Welt nicht Kolumbus verdankt, ist Barbados. Portugiesische Seefahrer sollen den Namen schon 1511 in die Karten eingetragen haben, die „Insel der Bärtigen".  Sie meinten damit nicht die dort lebenden Kariben, sondern wurden offenbar inspiriert von den Luftwurzeln der Bäume.  Als jedoch die britischen Siedler 1627 die Insel eroberten, war sie fast unbewohnt und bestens geeignet, um eine Kolonie zu errichten, die für 339 Jahre zum britischen Empire gehörte und bis heute noch Teil des Commonwealth ist. Dem britischen Lebensstil verdankte die Insel auch ihren Beinamen „Little England",  inzwischen nimmt allerdings der amerikanische Einfluss deutlich zu. Als eine der ersten Kolonien bekam Barbados schon 1639 ein Parlament nach britischem Vorbild. Nach Konflikten mit dem Mutterland wurden die Rechte des Parlaments und die der Bürger 1652 in einer eigenen  Verfassungsurkunde  niedergelegt, Religionsfreiheit, Rechtsstaatlichkeit, Eigentum und weitgehende parlamentarische Rechte galten natürlich nur für die weißen Siedler.

Der Anbau von Zuckerrohr hat die Insel reich werden lassen und als aus der Melasse Rum gewonnen wurde, war der Ruf von Barbados als der Geburtsstätte dieses Getränks gesichert. Übrigens brachten  brasilianische Juden aus Recife das Zuckerrohr und die Kenntnisse über den Anbau und die Verarbeitung nach Barbados. Eine der ältesten Synagogen der westlichen Welt in Bridgetown zeugt von dieser Gemeinde.

Windmühlen zum Mahlen des Rohrs und als Arbeitskräfte Sklaven aus Westafrika waren zwei wesentliche Elemente der Plantagenwirtschaft, die zum Erfolg dieses Wirtschaftszweigs beitrugen. "Barbados ist durch den Zucker groß geworden und die Sklaven mussten damals sehr hart arbeiten. Um das Ende der Ernte zu feiern, haben sie das Crop-Over-Festival erfunden. Unsere Mütter haben auf den Feldern gearbeitet, unsere Großmütter und die Plantagen gehören zu unserer Geschichte. Es ist in unserem Blut, es ist in unseren Wurzeln und deshalb genießen wird jedes Jahr das Crop-Over-Festival, um das Ende der harten Arbeit zu feiern." (Zitat Sharleen Witwright vom Zuckerrohr-Museum, Deutschlandfunk vom 14.8.2011, Übersetzung H. Stapel u. N. Schulze-Aissen)

1834 wurde die Sklaverei abgeschafft und seit 1966 ist Barbados ein unabhängiges Mitglied im britischen Commonwealth.

Die ca. 300.000 Einwohner sind überwiegend Nachfahren der ehemaligen Sklaven, der aus Indien stammenden Kontraktarbeiter und der britischen Siedler. Inzwischen ist der Tourismus zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig aufgestiegen, der neben Offshore Banking und anderen Finanzdienstleistungen das ökonomische Wachstum der Insel treibt.

Barbados zählt heute zu den wohlhabendsten Ländern in der Karibik. Der Zuckerrohr-Anbau ist zwar stark zurückgegangen, aber die Rum-Produktion in einigen großen Destillerien spielt nach wie vor eine wichtige Rolle. Die meisten Destillerien müssen allerdings die Melasse, die unverzichtbar für die Rum-Herstellung ist, größtenteils von den anderen karibischen Inseln kaufen.