Geschichte, Kultur, Bevölkerung

Christopher Kolumbus betrat 1492 die Insel San Salvador (nicht zu verwechseln mit dem mittelamerikanischen Staat) und glaubte Indien erreicht zu haben. In nur drei Jahrzehnten wurden die Ureinwohner – die Lucaya – ausgerottet, in Bergwerke auf Kuba und Hispanola verschleppt oder durch Krankheiten dezimiert. Da keine Bodenschätze gefunden wurden, war das Interesse Spaniens an den dann menschenleeren Inseln rasch erloschen.

Britische Freibeuter entdeckten bald die Vorteile der Inselwelt, insbesondere New Providence in der Mitte bot sich als Stützpunkt für ihre Aktionen an. Weitgehend unbehelligt von der fernen englischen Regierung blieben die wenigen Siedler und Seeleute unter sich. Erst 1728 konstituierte sich eine Generalversammlung und verabschiedete verbindliche Gesetze. Seitdem gehören die Bahamas zum britischen Commonwealth.

In den 1780er Jahren wurden die Bahamas in die Auseinandersetzungen um die amerikanische Unabhängigkeit einbezogen. Angeregt durch die Aussicht Land zu erhalten, kamen zahlreiche royalistische Briten mit ihren Sklaven auf die Inseln. Baumwollplantagen wie im amerikanischen Süden konnten auf den kargen Kalksteinböden aber nicht gedeihen und als 1838 die Sklavenhaltung verboten wurde, verließen viele Weiße die Inseln wieder.

Blockadebrecher nannte man die Kaufleute, die die Blockade der Südstaaten-Häfen im amerikanischen Bürgerkrieg 1861 zu umgehen versuchten. Sie nutzten ebenfalls Nassau auf New Providence als Stützpunkt, was zu einer kurzen wirtschaftlichen Blüte und zur Aufrechterhaltung des schlechten Rufs der Stadt führte.
Während der Prohibition in den USA in den 1920er Jahren machte Nassau seinem Image als Schmugglerhafen wieder alle Ehre. Das 1920 eröffnete Kasino und die direkte Flugverbindung ab 1929 zwischen Miami und Nassau ließ die Insel für betuchte Touristen attraktiv werden. General-Gouverneur im 2. Weltkrieg war übrigens der Herzog von Windsor, der als König Edward VIII nach seiner Heirat mit einer geschiedenen Amerikanerin abdanken musste.
 
Die Revolution von 1959 auf Kuba (und der Wirtschaftsboykott der USA) bescherte den Bahamas dann den richtigen touristischen Schub. Inzwischen sind 15 der 700 Inseln touristisch gut erschlossen, zudem steuern alle Kreuzfahrtlinien in die Karibik Nassau oder Freeport auf Grand Bahama an.
 
Von den ca. 307.500 Einwohnern leben gut 80%, also rund 250.000 Bahamaer in der Hauptstadt Nassau auf der Insel New Providence. Der Rest der 700 Inseln und weitere tausende Riffe sind komplett unbewohnt. Die Bevölkerung ist zu 85% afrikanischen Ursprungs, die restlichen 15% tragen meist europäische oder amerikanische Wurzeln in sich. Englisch ist die offizielle Amtssprache, es wird mit einem bahamaischen Akzent gesprochen.
 
Neben dem Tourismus sind die Fischerei, die Forstwirtschaft auf einigen Inseln und das Offshore Banking die Einnahmequellen der Bahamas. Es gibt keine Einkommenssteuern oder Abgaben auf Kapitalerträge, und die Gesetzgebung hat ermöglicht, dass Banken und Finanzdienstleiter aus aller Welt mit einem Firmensitz auf den Bahamas vertreten sind.