Geschichte, Kultur, Bevölkerung

Wie so viele karibische Inseln wurde auch Anguilla von spanischen Seefahrern Ende des 15. Jahrhunderts entdeckt, Kolumbus soll bei seiner zweiten Reise in die Karibik den Fuß auf die Insel gesetzt und ihr den Namen Anguilla (= span. Aal) gegeben haben. Da die Spanier das Fleckchen aber als unbrauchbar einstuften, kamen im 17. Jhdt. englische und irische Siedler. Kurze Zeit gab es auch eine französische Phase in der Geschichte, aber seit 1871 gehörte Anguilla zum Verwaltungsraum British Leeward Islands und bis 1962 zur Westindischen Förderation.

Die englischen Siedler versuchten ihr Glück zunächst mit Zuckerrohr, auf die Dauer aber erfolglos. Das Land ist zu trocken für erfolgreiche Landwirtschaft. Zur Bewirtschaftung wurden Sklaven auf die Insel gebracht, viele blieben dort, auch nachdem ihre „Herren" auf andere Inseln gegangen waren. Die Einflüsse afrikanischer und europäischer Kultur sind heutzutage in der typisch karibischen Mischung von Lebensart und Arbeitsstilen zu finden.

1967 sollte Anguilla gemeinsam mit den Inseln St. Christopher (St. Kitts) und Nevis zu einem gemeinsamen Staat vereinigt werden, eine Idee, die heftigen Protest seitens der Insulaner auslöste. Anguilla wollte britisch bleiben und erklärte zunächst seine Unabhängigkeit. Dies veranlasste die Briten, 1969 eine militärische Operation durchzuführen. Allerdings ohne Blutvergießen, denn die Bevölkerung begrüßte die Soldaten freudig. 1971 wurde dann im Einvernehmen mit Großbritannien eine Verwaltungseinheit geschaffen, die der Insel seit 1976 zunächst innere Autonomie gab und seit 1980 hat  Anguilla den Status eines „British Dependent Territory". Nach wie vor ist Anguilla britisch geprägt. Nicht nur die Sprache, sondern auch die Schuluniformen der Kinder, die Golf-, Cricket- und Tennisanlagen zeugen davon.
 
Früher haben viele Einwohner die Insel aus Arbeitsmangel verlassen und die Angehörigen in der Heimat finanziell unterstützt. Heute steht Anguilla wirtschaftlich im wesentlichen auf drei Beinen: zunehmender Tourismus bringt Beschäftigung für viele Insulaner, das Offshore Banking ist eine weitere Einnahmequelle und die Fischerei, insbesondere nach Hummern, ist nach wie vor ein Gewinn bringender Zweig der Insel-Wirtschaft.